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6. Juni 2026

Zeige Deine Wunde!

forderte Joseph Beuys vor Jahrzehnten.

Heute ist diese Aufforderung hochaktuell. Unser gesellschaftliches Zusammenleben ist mehr und mehr geprägt von emotionaler Distanz, einem "Haben-wollen" und weniger "Sein-können".

Der emotionale Panzer vieler Menschen wird immer ausgeprägter. Das intellektuelle Argumentieren und Diskutieren in Problemsituationen ist weit verbreitet. Das Denken ist mit dem schnellen - häufig vorschnellen -Handeln eng verknüpft. Selbstreflexion wird vermieden. "Schuld" wird in der Regel beim Anderen gesucht.

Und wie schaut es in der Gefühlswelt aus? Sie ist überwiegend geprägt von Angst, Ärger bis hin zur ausgelebten Aggression, Entmutigung, Resignation. Selten werden Gründe für diese Gefühle gesucht. Sie werden eher verdrängt. Denn es schmerzt, an alte Wunden, seelische Verletzungen erinnert zu werden. Es ist "leichter", sie weg zu sperren, sie nicht fühlen zu müssen.

Dabei prägen diese Wunden unsere Sicht auf die Welt immens. Wir leben mit den eingeprägten Erinnerungen und verletzten Gefühlen. Wie schnell können sie doch geweckt werden. Da reicht die besondere Verhaltensweise eines Chefs, eines Kollegen, die uns ärgert und nervt .... warum? Weil sie triggert .... sie weckt die vergrabenen, unbewussten Bilder, die ich vielleicht aus meiner Kindheit mit einem strengen, vielleicht rohen und gewalttätigen Vater hatte oder unter einer strengen Lehrkraft als Schüler:in litt. Da hilft nur: Schnell die Angst wegdrücken, sich alles so zurechtlegen, dass die Situation aushaltbar ist. Dauert der Zustand lange an, sendet der permanente seelische Stress irgendwann körperliche Signale.

Die Folgeerscheinungen dieses weit verbreiteten Verhaltens spiegeln sich in den Statistiken: psychische Erkrankungen wie Angststörungen, Depression, psychosomatische Erkrankungen breiten sich immer mehr aus. Bereits Kinder und Jugendliche sind davon betroffen. Körperliche Erkrankungen sind häufig Folgeerscheinungen von langjähriger Verdrängung, Angst vor Veränderung, Ausharren in unangenehmen Lebenssituationen oder aggressives Verhalten.

Prozessorientierte, embodymentfokussierte Psychologie (Dr. Michael Bohne) unterstützt die Regulation der Stresssituationen und bearbeitet lösungsorientiert die ursächlichen Zusammenhänge. Lernen wir die Zusammenhänge von loyalem Verhalten, Regressionsreaktionen, Selbst- und Fremdvorwürfen, Erwartungen an andere mit unseren ursächlichen Wunden in Zusammenhang zu bringen und diese neuronalen Netzwerke aufzulösen, ist erwachsenengemäßes, selbstbewusstes Verhalten und Auftreten möglich. Unsere emotionale Kompetenz entwickelt sich mit einem gesunden Selbstbewusstsein. Wir lernen uns selbst wertzuschätzen und lieben. Wir können anderen Menschen mit Gelassenheit und Frieden in unserem Herzen begegnen und in schwierigen Situationen aus der erwachsenen Perspektive heraus Lösungen finden. Mehr Nähe und Offenheit kann in Begegnungen gewagt werden.

Zeige also Deine Wunde in schwierigen Begegnungen. Mache Dir die Zusammenhänge bewusst. Hole Dir Unterstützung, wenn Du es nicht alleine schaffst. Das Leben ist zu kurz, um im Schmerz zu verharren!

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