Wo ist mein Ich zu finden?
Diese Frage begleitet mich seit vielen Jahren.
Ist es in meinen Gedanken? In meinen Erinnerungen? In meinen Gefühlen? In den Rollen, die ich im Laufe meines Lebens übernommen habe? Oder gibt es in mir etwas, das tiefer reicht?
Immer wieder begegne ich Menschen, die das Gefühl haben, sich selbst verloren zu haben. Sie funktionieren im Alltag, erfüllen Aufgaben, kümmern sich um andere und tragen Verantwortung. Und doch spüren sie manchmal eine leise Sehnsucht nach etwas, das sie nicht genau benennen können. Vielleicht ist es die Sehnsucht nach sich selbst.
Mich berührt ein Bild, das mir vor vielen Jahren ein Homöopath schenkte. Er sprach von einer ursprünglich beschriebenen CD. Auf ihr sei unsere ganz eigene Melodie gespeichert – unser Wesen, unsere Möglichkeiten, unsere Bestimmung.
Im Laufe unseres Lebens legen sich viele weitere Informationen darüber: familiäre Prägungen, Erfahrungen, Erwartungen anderer Menschen, Erfolge und Enttäuschungen. Manches stärkt uns, manches entfernt uns von dem, was wir ursprünglich in die Welt bringen wollten.
Ob dieses Bild nun wörtlich zu verstehen ist oder nicht, spielt für mich heute keine entscheidende Rolle. Entscheidend ist die Frage:
Wer bin ich unter all den Schichten?
Viele spirituelle Traditionen sprechen von einem höheren Selbst, einem inneren Wesenskern oder einem transpersonalen Ich. Ich selbst nenne diesen Bereich manchmal das „goldene Ich“ – jenen Teil in uns, der unversehrt bleibt und uns immer wieder den Weg weist.
Je älter ich werde, desto mehr empfinde ich die Suche nach diesem Wesenskern als einen lebenslangen Prozess.
Unser Alltag fordert viel Aufmerksamkeit. Wir sorgen für unsere Arbeit, unsere Beziehungen, unsere Sicherheit und unsere Gesundheit. Das ist wichtig und notwendig. Doch manchmal verlieren wir dabei den Kontakt zu unserem Inneren. Stress, Ängste, ungelöste Verletzungen oder die ständige Orientierung am Außen können dazu führen, dass die leise Stimme unserer Seele kaum noch hörbar ist.
In meiner Arbeit als kunsttherapeutische Begleiterin erlebe ich immer wieder, wie Menschen genau an diesem Punkt ankommen. Sie suchen keine perfekte Technik und kein schönes Bild. Sie suchen einen Zugang zu sich selbst.
Dabei kann das Malen zu einem erstaunlichen Weg werden.
Wenn wir langsam werden, den Pinsel achtsam führen und den inneren Bildern Raum geben, geschieht oft etwas Unerwartetes. Farben, Formen und Symbole tauchen auf, die nicht geplant wurden. Das Bild entwickelt ein Eigenleben. Manchmal scheint es, als würde etwas aus einer tieferen Ebene unseres Seins sichtbar werden.
Ich erlebe immer wieder die Berührtheit von Teilnehmerinnen und Teilnehmern, wenn sie ihr fertiges Bild betrachten. Oft hören sie sich sagen: „Das habe ich gar nicht bewusst gemalt.“ Oder: „Jetzt verstehe ich erst, was mich gerade bewegt.“
Diese Momente sind für mich etwas Besonderes. Nicht weil ich glaube, alle Antworten zu kennen, sondern weil ich immer wieder erleben darf, wie Menschen sich selbst begegnen.
Vielleicht finden wir unser Ich nicht allein durch Nachdenken. Vielleicht begegnet es uns manchmal in einer Farbe. In einer Linie. In einem Symbol. Oder in einem Bild, das aus der Stille heraus entsteht und uns an etwas erinnert, das wir längst in uns tragen.
In meiner wöchentlichen Malgruppe öffne ich einen Raum für diese Begegnung. Einen Raum, in dem nichts geleistet werden muss. Einen Raum, in dem die Sprache der Seele willkommen ist.
Und vielleicht beginnt dort die Antwort auf die Frage: Wo ist mein Ich zu finden?
Kommen Sie dazu - malen Sie mit: www.atelier-sinneswerk.de
