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Die Kunst, im Flow zu sein

"Herbstgeflüster" - 2024 Mischtechnik - 80x100 cm - Karin Dressler

„Der Weg ist das Ziel“ – so könnte ich diesen Beitrag auch überschreiben. Gestern habe ich meine Gedanken zur Kreativität mit Ihnen geteilt.

Die naheliegende Frage lautet: Wie komme ich mit meiner Kreativität zu einem künstlerischen Werk?

Ist nicht alles Kunst, was aus mir heraus entsteht?

An diesem Punkt scheiden sich die Geister. Unser Zeitgeist ist frei, und unter dem Begriff Kunst begegnet uns heute eine große Vielfalt. Die Kunstszene zeigt unterschiedlichste Sichtweisen, Arbeitsweisen, Fähigkeiten, mutige und provokante Ausdrucksformen, politische Haltungen, Schönheit und Obszönität. Vieles hat seinen Platz.

„Die Kunst ist die Tochter der Freiheit“, sagte Schiller. Dieser Gedanke berührt mich sehr. Vielleicht ist es gerade diese Freiheit, die uns Menschen immer wieder zum kreativen Ausdruck bewegt.

Vom Spiel zum Können

In meinem eigenen künstlerischen Weg habe ich erfahren, wie wertvoll das Zusammenspiel von freiem Experimentieren und dem Erlernen handwerklicher Grundlagen sein kann. Beides hat seinen Platz.

Gerade im privaten künstlerischen Schaffen darf es zunächst spielerisch, neugierig und lustvoll zugehen. Wir dürfen Materialien erkunden, Spuren hinterlassen, Fehler machen und Neues entdecken. Irgendwann entstand bei mir jedoch die Neugier, besser zu verstehen, warum manche Bilder stimmig wirken und andere nicht. So begann ich, mich mit Komposition, Farbenlehre, den verschiedenen Stadien eines Malprozesses und dem Zusammenspiel von Linie und Fläche zu beschäftigen.

Doch genau hier wurde es für mich spannend.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie sich auf diesem Weg mein spontanes und intuitives Malen manchmal verliert. Plötzlich bin ich nur noch im Kopf und beginne zu konstruieren. Es erinnert mich an meinen Gitarrenunterricht damals: Ich konnte ein klassisches Stück durchaus flüssig spielen – frei improvisieren konnte ich deshalb noch lange nicht.

Hürden im kreativen Prozess

Vielleicht kennst Du das auch: Du lernst neue Techniken, beschäftigst Dich mit gestalterischen Zusammenhängen und möchtest Dich weiterentwickeln. Und plötzlich wird der Kopf sehr laut. Was vorher leicht und spielerisch war, fühlt sich kontrolliert an. Mir ging es jedenfalls eine Zeit lang so. Ich hatte das Gefühl, mein Wissen und meine Intuition würden miteinander konkurrieren.

Heute sehe ich das anders. Beides darf zusammenwirken. Handwerkliches Können kann der Intuition Halt geben, während die Intuition dem Wissen Lebendigkeit schenkt.

Ein weiterer „Kreativitätskiller“ kann das Arbeiten für einen bestimmten Zweck sein – zum Beispiel für eine Ausstellung, ein Geschenk oder einen Auftrag. Kennst Du diesen Moment? Plötzlich steigen die Erwartungen. Der Wunsch, ein vorzeigbares Ergebnis zu schaffen, wird größer. Und genau dann kann die kreative Freiheit enger werden.

Und dann meldet sich manchmal auch noch der innere Kritiker. Er fragt vielleicht: „Wer bist du denn, dass du meinst, Künstlerin zu sein?“ Oder er flüstert Sätze wie: „Ich bin nicht gut genug.“ Solche Glaubenssätze können den kreativen Prozess erheblich bremsen.

Wenn ich heute auf meinen eigenen Schaffensprozess schaue, dann gibt es einige Dinge, die ihn immer wieder nähren:

innere Freiheit

Mut

Übung und handwerkliches Können

Intuition

Inspiration

die Fähigkeit, inneren Bildern zu folgen

ausreichend Zeit und Kontinuität

Freude am Erschaffen

Besonders wichtig erscheint mir die Zeit

Jeder Tag schenkt uns einen neuen Blick auf das Werk. Oft arbeitet ein Bild über Nacht in uns weiter. Manchmal wache ich morgens auf und weiß plötzlich, was der nächste Schritt sein möchte.

Wird ein Prozess jedoch über viele Tage oder Wochen unterbrochen, kann dies wie ein Bruch wirken. Wir betrachten das Werk mit neuen Augen, weil sich unsere Gedanken, Gefühle oder Lebensthemen verändert haben. Doch auch darin liegt etwas Wertvolles. Das bereits Geschaffene kann zu einem wunderbaren Untergrund werden, auf dem Neues entstehen darf.

Vielleicht ist genau das das Geheimnis eines lebendigen künstlerischen Prozesses: das Zusammenspiel von Freiheit und Form, von Wissen und Intuition, von Hingabe und Vertrauen.

Genau an dieser Stelle setzt mein Workshop „Schöpfer:innen-Flow“ an. Gemeinsam erforschen wir, wie kreative Freiheit, handwerkliches Wissen und die eigene innere Stimme miteinander in Verbindung kommen können – damit ein lebendiger, authentischer und freudvoller Schaffensprozess entstehen darf.

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